Eine Position

Ich kennzeichne
nicht mehr.

Von einer kleinen Minderheit wurde ich immer wieder genervt, warum ich meine Musik nicht mit einem KI-Label versehe. Also habe ich es einen Monat lang gemacht und zeitgleich eine Umfrage und ein Experiment gestartet: Wie vielen Menschen ist es wirklich wichtig – und was ist ihnen eine aufwendige, zu 100 % handgemachte Produktion ohne jede KI-Assistenz tatsächlich wert? Die Ergebnisse haben mich schockiert.

Umfrage 02.–13.09.
13,4 %
wollten auch bei deutlich weniger Auswahl ausschließlich Musik ohne KI-Nutzung
2,9 %
haben danach auch so geladen
1
hat gespendet

Ich habe gefragt, wem es wichtig ist

Im September habe ich 990 Nutzern zwei Fragen gestellt. Die erste: Ist dir wichtig, dass Musik von einem Menschen gemacht wird? 223 sagten „komplett ohne KI“.

Die zweite Frage stellte den Preis daneben: weniger Songs, etwa einer im Monat, dafür ohne KI. Da blieben von den 223 noch 133 übrig.

Von diesen 133 haben 29 in ihrer gesamten Download-Geschichte ausschließlich handgemachte Musik geladen. Der Rest hat weiter genommen, was gefällt. Die geäußerte Forderung war deutlich verbreiteter als das entsprechende Downloadverhalten.

Jeder Balken gegen alle 990 Teilnehmer

Sagen: „komplett ohne KI“ 223 von 990
22,5 %
Wollten das auch bei deutlich weniger Auswahl 133 von 990
13,4 %
Laden auch wirklich nur handgemachte Musik 29 von 990
2,9 %

Erhebung vom 02. bis 13.09.2026, Downloads über die gesamte erfasste Historie.

Dann habe ich nach einer freiwilligen Spende gefragt

Wer einen als handgemacht gekennzeichneten Song herunterlud, bekam eine freiwillige Spendenfrage: null bis tausend Euro. Ein Euro war erlaubt. Null war erlaubt. Vorausgewählt war nichts. Wer nicht antwortete, bekam den Download trotzdem. Für die Auswertung habe ich anschließend unterschieden, ob die Person zuvor ausdrücklich nach handgemachter Musik gesucht hatte oder nicht.

Ich habe es laufen lassen, bis 1000 Menschen etwas geladen hatten. Dann habe ich gestoppt.

Und der eine, der gezahlt hat, hatte nicht mal explizit nach handgemachter Musik gesucht. Er hat nie etwas gefordert. Er hat einfach gespendet.

1
von 1000
hat etwas gespendet

Wer hat gefordert, und wer hat gezahlt

Haben ausdrücklich handgemachte Musik verlangt 0 Euro
100 % wählten „Nichts“
Haben nie etwas verlangt 25 Euro
Die einzige Spende

Beide Gruppen haben dieselbe Frage bekommen. Gespendet hat einer, der nie nach handgemachter Musik gesucht hatte. In meinem Test kam ausgerechnet aus der Gruppe mit der stärksten Forderung kein einziger Euro.

Ab hier habe ich aufgehört, Rücksicht zu nehmen.

Diese Zahlen haben mich wütend gemacht. Ich stelle seit Jahren Musik kostenlos hin, und die lauteste Forderung kam ausgerechnet von denen, die am wenigsten bereit waren, etwas zu spenden – also nicht mal einen Euro.

Dieses Experiment beweist nicht, dass Kritik an KI falsch ist. Es beantwortet eine andere Frage: Soll ich für diese kleine Gruppe zusätzliche Filter, Kennzeichnungen und Dokumentation pflegen? Niemand schuldet mir eine Spende – kostenlos bedeutet kostenlos. Aber ebenso schulde ich niemandem diese Sonderbehandlung. Nach diesen Ergebnissen lautet meine Antwort deshalb: nein.

KI steckt längst in alltäglicher Medienproduktion

Der größte Posten ist die Recherche.

Themen einlesen, Quellen zusammenfassen, Begriffe klären, Konzepte durchspielen, Texte gegenlesen, etwas in eine fremde Sprache übertragen. Viele dieser Arbeitsschritte werden heute selbstverständlich von KI-Werkzeugen unterstützt. Und niemand schreibt unter sein Video, mit wem er sich das Thema erarbeitet hat.

08.09.2026 · Blackmagic Design

DaVinci Resolve Studio 21.1

Der integrierte MCP-Server ermöglicht externen KI-Assistenten wie Claude und ChatGPT Codex, Projekte zu analysieren, Material zu organisieren und Arbeitsschritte in Resolve auszuführen.

12.09.2026 · Reuters

AI-assisted video editing

Ein Assistent sucht Material, schneidet, mischt den Ton, korrigiert Farbe und setzt Untertitel. Reuters nennt es nicht „AI-generated news“.

Zwei Beispiele aus der Musik

„Now and Then", The Beatles Maschinelles Lernen löste John Lennons Stimme aus einer alten Kassettenaufnahme. Trotzdem spricht kaum jemand von einem KI-generierten Beatles-Song.

Alan Braxe und Fred Falke Die beiden beschreiben, wie sie Suno für Loops, musikalische Fragmente und Arrangement-Ideen benutzen. Etwas, das ein späterer Hörer dem fertigen Titel nicht anhören kann.

Und das hier erwähnt längst niemand mehr

  • Programmierung
  • Webseiten-Design
  • Magic Mask in Resolve
  • Freistellen in Photoshop
  • Generative Fill
  • Rauschen entfernen
  • Stem-Trennung
  • Automatische Untertitel
  • Untertitel übersetzen
  • Mastering-Assistenten
  • Transkription von Interviews
  • Multicam-Umschnitt
  • Hochskalieren und Schärfen
  • Zwischenbilder für Zeitlupe
  • Farbabgleich zwischen Kameras
  • Reframing für Hoch- und Querformat
  • Rotoskopie

Und nichts davon trägt ein Schild.

Würde jede Berührung mit KI ein Schild auslösen, wäre das Wort keine Auskunft mehr über ein Werk. Es wäre eine Zutatenliste der benutzten Software.

Aus den 125 Kommentaren Iran

Wenn KI in der Hand eines Musikers liegt, wird das Stück makellos. Liegt sie in der Hand eines Amateurs, hat das Stück keine Bedeutung. Danke.

Ein Teilnehmer der Umfrage · übersetzt aus dem Persischen Nicht von mir

Ein Schild sagt dir nicht, wessen Hand darauf lag

  • Niemand schreibt Mit KI geschnitten.
  • Niemand schreibt Motiv von einer KI freigestellt.
  • Niemand schreibt Interview von einer KI transkribiert.
  • Niemand schreibt Recherche zur Doku mit ChatGPT erarbeitet.

Aber ich soll es bei Musik tun?

Beispiel einer Songproduktion
90 % Handarbeit
komponiert, eingespielt, gemischt
10 %
KI-Hilfe
KI-generiert — für den ganzen Song? Fair?

Zehn Prozent bestimmen, wie die anderen neunzig heißen. Und es ist egal, was die zehn Prozent gemacht haben. Rauschen entfernt oder eine Melodie beigesteuert: dasselbe Schild.

Urteilt über die Musik. Diesen Maßstab nehme ich an.

Es ist mein Hobby.

Ich habe gemerkt: Die am meisten fordern, sind am wenigsten bereit zu geben. Nämlich nicht mal einen Euro.

Ich verdiene damit nichts. Ich benutze für meine Musik die besten Werkzeuge, die es gerade gibt, und ich mache das, woran ich Spaß habe – egal wie und egal womit. Spaß ist der einzige Maßstab.

Wem das nicht gefällt, der kann gerne woanders runterladen. Das ist meine Webseite, hier gelten meine Regeln.

Bei mir gibt es ab jetzt einfach Musik. Musik, die mir gefällt. Musik, die mit Liebe entstanden ist – mal ganz alleine und mal mit KI-Assistenz. Komm damit klar oder shut the fuck up :D

Wer auf einer komplett kostenlosen Seite, die nicht einmal eine Urhebernennung verlangt, den Verzicht auf jegliche Hilfsmittel und Werkzeuge fordert, um die Musik anschließend in seinem gewerblichen Projekt zu benutzen, sollte vielleicht generell mal sein Leben und seine Lebenseinstellung überdenken.

Sascha Ende
Kostenlos
jeder Song, ohne Ausnahme
CC BY 4.0
kommerziell nutzbar
Nennung freiwillig
du musst mich nicht mal nennen