Mails von „Rechtsanwalt Kerk Behrens“ und der Kanzlei rechtmuenster.de sind Betrug. Ich habe so eine Mail bekommen und mich mit dem Absender angelegt. Fünf Tage später lag meine Webseite lahm, und er drohte, mich im Internet als Sexualstraftäter hinzustellen.
Den Namen Kerk Behrens haben die Betrüger einem echten Anwalt geklaut, der damit nichts zu tun hat. Hier erzähle ich, wie ich der Masche auf die Spur kam, was der Betrüger dabei über sich verraten hat und warum er am Ende ausgerastet ist. Ganz unten steht, was du tun kannst, wenn so eine Mail bei dir landet.
Vorweg: Kein Wort davon ist wahr
Der Betrüger hat eine Webseite über mich angekündigt. Darauf soll stehen, ich würde minderjährige Mädchen auf Instagram und Snapchat anschreiben und nach freizügigen Bildern fragen. Er will sie bei Google eintragen und an die Menschen schicken, die mich unterstützen.
Das ist frei erfunden. Ich schreibe keine minderjährigen Mädchen an. Nicht auf Instagram, nicht auf Snapchat, nirgends. Das Foto auf seiner Vorschau ist über 15 Jahre alt und von Wikipedia geklaut. Polizei und Landeskriminalamt haben alles.
Falls dir die Seite oder eine Mail dazu begegnet: Schick mir den Link über meine Kontaktseite. Ich gebe ihn an die Ermittler weiter.
Ein Volvo für 31.100 Euro
Die Mail kam an einem Donnerstagabend Ende Oktober. Absender: „Rechtsanwalt Kerk Behrens“. Im Betreff ein E-Mountainbike für 1.900 Euro und der Hinweis „Verwertung läuft“.
Der Ton war höflich und sachlich. Ein Unternehmen habe seine Produktion eingestellt, er löse den Bestand auf. Angehängt war ein Katalog mit 110 Positionen, darunter E-Mountainbikes und ein Volvo XC60 für 31.100 Euro. Die Preise seien fest, „über die kein Handel liegt“. Und wer zögert, geht leer aus: „was verkauft ist, ist weg“.
Ein Satz ließ mich stutzen: „Ich habe Ihre Daten aus der Firmendatenbank von Databyte.“ Ich hatte nichts angefragt.
Der echte Kerk Behrens warnt selbst
Ich habe nachgesehen. Kerk Behrens gibt es wirklich, er ist Anwalt. Mit der Mail hat er nichts zu tun. Auf LinkedIn schreibt er: „Weder die Internetseite noch die E-Mails stammen von mir.“ Er hat selbst Anzeige erstattet. (Sein Beitrag auf LinkedIn)
Auch Databyte warnt auf der eigenen Webseite vor genau diesen Mails. Im Namen von Anwaltskanzleien wird angebliche Insolvenzware angeboten, und die Absender behaupten, die Adressen stammten von Databyte. Die Antwort des Unternehmens ist kurz: „Diese Angabe ist falsch.“ (Hinweis von Databyte)
Die Webseite rechtmuenster.de sieht auf den ersten Blick nach Kanzlei aus. Auf den zweiten nicht mehr. Die Absender-Domain jb-arbeitsrecht.de wurde zwei Wochen vor der Mail registriert und leitet auf rechtmuenster.de weiter. Die Postleitzahl stimmt nicht: Die Overbergstraße in Münster liegt in 48145, die Kanzlei nennt 48151. Und in der Datenschutzerklärung steht noch ein Platzhalter aus der Vorlage: „[Name und Anschrift des Hostinganbieters eintragen]“.
Bleibt der Katalog. Er wurde zwei Minuten vor dem Versand erzeugt, mit meinem Namen in den Dateieigenschaften. Fließbandarbeit, für jeden Empfänger frisch verpackt. Technisch war die Mail übrigens einwandfrei, sie hat alle üblichen Echtheitsprüfungen bestanden. Das beweist aber nur, dass sie wirklich von dieser Domain kam. Ob ein Anwalt dahintersteht, beweist es nicht.
Am nächsten Tag habe ich Anzeige erstattet.
Ich spielte den Käufer
Danach bekam ich einen Rückruf, mit der Nummer aus der Mail auf dem Display. Am Telefon: gutes Deutsch, leichter Akzent. Ja, es werde wirklich verkauft. Als ich sagte, dass ich das für Betrug halte, legte die Person auf.
Ich wollte wissen, wie weit sie gehen. Unter anderem Namen fragte ich nach dem Volvo. Die Antwort kam prompt: eine Auftragsbestätigung und ein Kaufvertrag, bitte unterschreiben und zurückschicken. „Die Rechnung mit den Zahlungsinformationen folgt erst danach.“ Außerdem wollte er meine Telefonnummer.
So funktioniert die Masche. Vertrag und Rechnung sehen ordentlich aus. Am Ende überweist du viel Geld an Unbekannte.
Dann habe ich ihn beleidigt. Mit Absicht.
Am Abend des 2. November ließ ich die Maske fallen. Ich schrieb ihm von meiner eigenen Adresse und beleidigte ihn. Mein Gedanke: Ein Profi ignoriert so etwas. Ein Anfänger wird wütend, und wer wütend ist, redet.
Er redete.
Am nächsten Morgen, kurz vor sieben, rief jemand über einen Server in Bulgarien ENDE.APP auf und öffnete meine Kontaktseite. Vier Minuten später kam seine Antwort, zum ersten Mal mit meinem Namen. Danach schrieb er mir den ganzen Tag, eine Mail nach der anderen. Dabei verriet er eine Menge:
- Er schreibt mit Thunderbird unter Windows, sein Rechner läuft auf Weltzeit (UTC).
- Er komme „aus dem Osten“ und sitze in den Vereinigten Arabischen Emiraten, mit Proxys und virtuellen Maschinen. So jedenfalls prahlte er.
- Er wollte im Chat weiterreden und schickte mir dafür seine Kennung.
- Und er gab den Betrug offen zu: „Fallen genug leute auf so eine banale scheisse rein :)“
Ich habe ihm sogar Nachhilfe gegeben: Profis verraten nichts, bleiben ruhig und besuchen nicht die Webseite von Leuten, die sie ärgern. Er hat alle drei Regeln gebrochen.
Meine Seite ging in die Knie
Seine erste Mail an diesem Morgen endete mit einer Drohung: „PS: Deine webseite geht gleich down.“
Am frühen Nachmittag ging es los. Erst kamen massenhaft Seitenaufrufe über ständig wechselnde Proxy-Server. Kurz vor zwei folgte eine Flut von Verbindungen aus rund 1.400 IP-Adressen. ENDE.APP war nicht mehr erreichbar. Eine halbe Stunde später rollte die nächste Welle an.
Viel Mühe kostete ihn das nicht, schrieb er. Das alles koste „kaum zeit“, nur „ein auftrag“.
Die Hetzseite
Schon mittags hatte er angekündigt, was als Nächstes kommt: eine Webseite mit meinen Daten und meinem Bild, die mich als Sexualstraftäter hinstellt. Bauen werde sie eine KI.
Am Nachmittag schickte er die Vorschau. Mein Name, mein Foto, ENDE.APP, mein Instagram-Konto. Dazu die erfundenen Vorwürfe. Er werde die Seite bei Google eintragen und an meine Unterstützer schicken. Die stehen auf meiner Danke-Seite. „Einfach zu finden waren sie auch“, schrieb er.
Dann wurde er rassistisch. Und er schrieb einen Satz, der viel über ihn sagt: „Mag es nur Leben zu zerstoeren“.
Kurz darauf kam seine letzte Mail. Die Seite komme auf einen russischen Server mit einer .to-Domain, damit man sie schwer löschen kann. Offline nehme er sie nur, wenn ich mich bei ihm entschuldige.
Statt einer Entschuldigung ging alles an die Polizei und an das Landeskriminalamt Niedersachsen, samt Server-Logs. Für mich ist das Computersabotage, Verleumdung und Nötigung. Und dieser Artikel ist meine Antwort.
Steckbrief der Masche
Alle Merkmale auf einen Blick. Damit erkennst du Mails und Seiten aus dieser Masche wieder.
- Name: „Rechtsanwalt Kerk Behrens“. Der Name gehört einem echten Anwalt, der nichts damit zu tun hat.
- Webseiten: rechtmuenster.de und jb-arbeitsrecht.de, das auf rechtmuenster.de weiterleitet.
- Mail-Adressen:
anfrage@jb-arbeitsrecht.de,kbehrens@rechtmuenster.deundinfo@rechtmuenster.de - Telefonnummern: +49 251 92 754 754 und +49 251 92754322. Ob sie den Tätern gehören oder missbraucht werden, ist offen.
- Angebliche Adresse: Overbergstraße 21, 48151 Münster. Die Postleitzahl ist falsch.
- Betreff: „z.H. Sascha - Kneissl Design FS04 E-Mountainbike Fully für 1.900 € - Verwertung läuft“. Der Vorname wechselt.
- Anhang: „Katalog_1564.pdf“ mit 110 Positionen und dem Namen des Empfängers in den Dateieigenschaften.
- Ware: E-Mountainbikes von Kneissl und Focus und ein Volvo XC60, ab 1.900 Euro.
- Datenquelle: angeblich Databyte. Databyte sagt, das ist falsch.
- Ablauf: erst Auftragsbestätigung und Kaufvertrag, die Rechnung mit den Zahlungsdaten danach.
- Technik: Die Domains laufen über Cloudflare und sind bei Dynadot und Porkbun registriert. Die erste Mail kam über Amazon SES, die späteren über den Maildienst Purelymail.
Die Dienste sind nur Anbieter, nicht Täter. Sie nehmen aber Meldungen über Missbrauch an. Melde die Seiten bei Dynadot (rechtmuenster.de), Porkbun (jb-arbeitsrecht.de) und Cloudflare (beide), die Mails bei Amazon unter email-abuse@amazon.com.
Was du tun kannst
Daran erkennst du die Masche:
- Eine Kanzlei bietet dir ungefragt Insolvenzware an, zu festen Preisen und mit Zeitdruck.
- Die Mail nennt eine Quelle für deine Daten, zum Beispiel Databyte.
- Die Domain ist neu, Adresse oder Postleitzahl passen nicht.
- Erst kommt ein Vertrag, die Zahlungsdaten folgen später.
Das solltest du tun:
- Nicht antworten, nichts unterschreiben, nichts überweisen.
- Den Anwalt im Bundesweiten Amtlichen Anwaltsverzeichnis suchen. Aber Vorsicht: Die Betrüger nehmen gern echte Namen, so wie hier.
- Bei der echten Kanzlei nachfragen, mit der Nummer aus dem Verzeichnis, nie mit der aus der Mail.
- Unter insolvenzbekanntmachungen.de prüfen, ob es das Insolvenzverfahren überhaupt gibt.
- Die Mail als Datei aufheben, zum Beispiel als EML. Ein Screenshot zeigt nicht, woher die Mail wirklich kam.
Hier meldest du den Betrug:
- Bei der Polizei, online über die Onlinewache oder Internetwache deines Bundeslandes.
- Bei der Rechtsanwaltskammer am angeblichen Sitz der Kanzlei, hier die Rechtsanwaltskammer Hamm. Eine Übersicht der Kammern hat die Bundesrechtsanwaltskammer.
- Bei der echten Kanzlei, deren Name missbraucht wird.
- Wird deine Webseite oder Firma angegriffen: bei der Zentralen Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) deines Landeskriminalamts. Sichere vorher deine Server-Logs.
Und ein ehrliches Wort zum Schluss: Den Betrüger zu provozieren hat mir viel verraten. Es hat mir aber auch eine lahmgelegte Webseite und die Drohung mit einer Hetzseite eingebracht. Wenn du darauf keine Lust hast: nicht antworten, melden, löschen.
Mehr Details stehen in den Hinweisen der Bundesrechtsanwaltskammer zu Fake-Kanzleien (PDF).
Die Mail im Wortlaut
Damit du sie wiedererkennst, hier die komplette Mail vom 29. Oktober 2026:
Betreff: z.H. Sascha - Kneissl Design FS04 E-Mountainbike Fully für 1.900 € - Verwertung läuft
Von: Rechtsanwalt Kerk Behrens,anfrage@jb-arbeitsrecht.deGuten Tag Sascha,
in einem laufenden Verwertungsverfahren löse ich derzeit den Bestand eines Unternehmens auf, das seine Produktion eingestellt hat. Die Positionen sind Einzelstücke aus einem Betrieb, der seine Tätigkeit beendet hat, und werden nun direkt an Unternehmen abgegeben, die solche Geräte einsetzen. Eine Besichtigung vor Ort ist nach Absprache jederzeit möglich, der Katalog mit allen 110 Positionen ist angehängt. Zu den auffälligsten Stücken gehören Kneissl Design FS04 E-Mountainbike Fully für 1.900 €, Focus Jam² SL 8.8 E-Mountainbike für 2.300 € und Volvo XC60 B5 AWD Ultra Dark Mild-Hybrid für 31.100 €.
Das sind die festgesetzten Verwertungspreise aus dem Verfahren, über die kein Handel liegt. Jede Position ist im Katalog mit Bild, Baujahr und Zustand dokumentiert, dazu trägt jede ihre eigene Katalognummer und ihren Preis. Der Bestand ist, was verkauft ist, ist weg - eine erneute Beschaffung zu diesen Konditionen ist später nicht möglich.
Die Abwicklung läuft über einen Kaufvertrag mit Rechnung, die Übergabe erfolgt nach Absprache direkt am Standort. Wenn mehrere Positionen für Sie relevant sind, lässt sich ein Paketpreis vereinbaren. Eine kurze Nachricht mit der Katalognummer reicht, ich melde mich dann umgehend mit allen Details zu Zustand und Verfügbarkeit. Falls Sie zu einer Position mehr wissen möchten, fragen Sie einfach.
Rückfragen beantworte ich auch am Telefon, Sie erreichen mich unter 0251 92754754.
Ich habe Ihre Daten aus der Firmendatenbank von Databyte. Ohne Rückmeldung schreibe ich Sie kein zweites Mal an.
Mit besten Grüßen
Kerk BehrensKerk Behrens
Rechtsanwalt
Overbergstraße 21 · 48151 Münster
Fon +49 251 92 754 754
anfrage@jb-arbeitsrecht.de·www.jb-arbeitsrecht.deSie wollen keine Mails mehr von uns? Antworten Sie mit „Abmelden“ als Betreff oder antworten Sie einfach. Wir tragen Sie sofort aus.